„Fasten light“ fürs Herz?

Carola Stadermann • 15. August 2026

Warum eine Fasten-Studie bei Typ-2-Diabetes gerade besonders spannend ist

Fünf Tage fasten – aber trotzdem essen? Und damit möglicherweise nicht nur Blutzucker und Gewicht, sondern sogar das Herz beeinflussen?

Das klingt zunächst nach einer dieser Schlagzeilen, bei denen ich normalerweise ein wenig vorsichtig werde.

Doch hinter dieser Geschichte steckt tatsächlich interessante Forschung. Wissenschaftler untersuchen seit einigen Jahren eine Ernährungsform, die bestimmte Stoffwechselreaktionen des Fastens auslösen soll, ohne vollständig auf Nahrung zu verzichten: die sogenannte Fasting-Mimicking Diet, kurz FMD.

Ich nenne sie hier einmal etwas vereinfacht „Fasten light“.

Und aktuelle Auswertungen einer Langzeitstudie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes liefern spannende Hinweise darauf, dass regelmäßige kurze Fastenphasen möglicherweise sogar Veränderungen am Herzen bewirken können.

Bevor wir jetzt allerdings verkünden, Fasten sei die neue Herztherapie: So weit sind wir noch lange nicht.

Aber schauen wir uns an, was tatsächlich herausgefunden wurde.


Was bedeutet „Fasten light“ überhaupt?

Bei einer Fasting-Mimicking Diet wird – anders als beispielsweise beim klassischen Buchinger-Fasten – weiterhin feste Nahrung aufgenommen.

Die Energiezufuhr wird für einige Tage stark reduziert und die Zusammensetzung der Nahrung so gewählt, dass im Körper bestimmte Stoffwechselprozesse entstehen sollen, die auch beim Fasten auftreten.

In der sogenannten FIT-Studie (Fasting In diabetes Treatment) sah das folgendermaßen aus:

Die Teilnehmer absolvierten zwölf Monate lang einmal im Monat fünf aufeinanderfolgende Tage einer Fasting-Mimicking Diet.

An den übrigen Tagen ernährten sie sich normal.

Das ist wichtig, denn wir sprechen hier nicht von täglichem Intervallfasten und auch nicht von einer einwöchigen Buchinger-Fastenkur.


Warum interessierten sich die Forscher ausgerechnet für das Herz?

Typ-2-Diabetes betrifft nicht nur den Blutzucker.

Langfristig erhöht die Erkrankung auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Insulinresistenz, Übergewicht, erhöhte Blutfette und Fettablagerungen außerhalb des klassischen Fettgewebes können dabei eine Rolle spielen.

Und Fett kann sich tatsächlich auch im Herzmuskel einlagern.

Man spricht dann von einer sogenannten myokardialen Steatose.

Genau hier wird die Fastenforschung interessant.


Weniger Fett im Herzmuskel

In einer Auswertung der FIT-Studie wurde mithilfe einer speziellen Magnetresonanz-Spektroskopie untersucht, wie sich der Fettgehalt des Herzmuskels verändert.

Nach zwölf Monaten zeigte sich in der FMD-Gruppe eine signifikante Abnahme der Triglyceride im Herzmuskel, während dies in der Kontrollgruppe nicht beobachtet wurde.

Das ist zunächst einmal bemerkenswert.

Denn solche Fettablagerungen werden bei Typ-2-Diabetes mit ungünstigen Veränderungen des Herzstoffwechsels in Verbindung gebracht.

Aber – und dieses Aber ist mir wichtig –:

Weniger Fett im Herzmuskel bedeutet noch nicht automatisch weniger Herzinfarkte, weniger Herzschwäche oder ein längeres Leben.

Die Zahl der Teilnehmer mit vollständigen Messdaten für diesen speziellen Endpunkt war zudem sehr klein.

Deshalb ist das Ergebnis eher ein interessantes biologisches Signal als ein klinischer Beweis.


Und was ist mit der Herzfunktion?

Auch die Herzfunktion wurde innerhalb des Forschungsprogramms mittels MRT untersucht.

Dabei interessieren sich Wissenschaftler unter anderem für die sogenannte diastolische Funktion.

Vereinfacht gesagt beschreibt sie, wie gut sich das Herz nach einem Herzschlag wieder entspannt und mit Blut füllt.

Gerade bei Menschen mit Diabetes können Veränderungen dieser Funktion früh auftreten – lange bevor eine manifeste Herzschwäche diagnostiziert wird.

Die aktuellen Daten liefern Hinweise darauf, dass sich unter der wiederkehrenden FMD einzelne Parameter dieser Herzfunktion verbessern könnten.

Das ist wissenschaftlich ausgesprochen spannend.

Aber auch hier gilt:

Ein verbesserter MRT-Wert ist noch kein Beweis dafür, dass regelmäßiges Fasten vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt.

Dafür brauchen wir größere Studien mit deutlich mehr Teilnehmer und vor allem langfristige Untersuchungen zu tatsächlichen Erkrankungen.


Was mich an der Studie trotzdem begeistert

Vielleicht fragst Du Dich jetzt:

Wenn wir noch so vorsichtig sein müssen – warum ist die Studie dann überhaupt interessant?

Weil sie unseren Blick auf das Fasten erweitert.

Beim Fasten reden wir häufig über:

Gewicht.

Oder über:

Blutzucker.

Doch unser Stoffwechsel funktioniert nicht in einzelnen Schubladen.

Insulin, Leber, Fettgewebe, Muskulatur, Blutgefäße und Herz beeinflussen sich gegenseitig.

Und genau das zeigt die FIT-Studie sehr schön.

Denn bei den Teilnehmer wurden über zwölf Monate noch weitere interessante Veränderungen beobachtet.

Die monatliche FMD führte gegenüber der üblichen Behandlung unter anderem zu einer Verbesserung des HbA1c, einer Gewichtsabnahme und einem geringeren Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten.

In einer weiteren MRT-Auswertung wurden außerdem weniger Leberfett sowie günstigere Marker für Leberentzündung bzw. -fibrose beobachtet.

Wir sehen also möglicherweise nicht einen einzelnen Effekt, sondern Veränderungen an mehreren Stellen des Stoffwechsels.

Und genau das macht diese Forschung für mich so spannend.


Ist „Fasten light“ damit besser als richtiges Fasten?

Nein – diesen Schluss können wir aus der Studie überhaupt nicht ziehen.

Die Untersuchung verglich eine Fasting-Mimicking Diet mit der üblichen Versorgung bei Typ-2-Diabetes.

Sie verglich nicht

FMD gegen Buchinger-Fasten,

FMD gegen Intervallfasten

oder FMD gegen eine klassische mediterrane Ernährung mit Kalorienreduktion.

Wir wissen deshalb aus dieser Studie nicht, welche Fastenmethode „die beste“ ist.

Vielleicht müssen wir diese Frage auch gar nicht stellen.

Denn möglicherweise liegt ein Teil des gesundheitlichen Potenzials des Fastens gerade darin, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Essenspausen in unser Leben zu integrieren.


Ein wichtiger Punkt für Frauen ab 50

Gerade in der Lebensmitte verändert sich bei vielen Frauen die Stoffwechselsituation.

Mit sinkenden Östrogenspiegeln verändert sich häufig die Fettverteilung. Gleichzeitig können Muskelmasse und Insulinsensitivität abnehmen und das kardiovaskuläre Risiko steigt mit zunehmendem Alter.

Deshalb finde ich die Frage besonders interessant:

Können gezielt eingesetzte Fastenphasen ein Baustein einer langfristig herz- und stoffwechselgesunden Lebensweise sein?

Die aktuelle Forschung macht mir Lust, diese Frage weiterzuverfolgen.

Sie beantwortet sie aber noch nicht endgültig.

Und die FIT-Studie wurde ausdrücklich nicht speziell mit Frauen in oder nach den Wechseljahren durchgeführt.

Auch das gehört zur wissenschaftlich ehrlichen Einordnung.


Fasten ist kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil

Bei all der Begeisterung für neue Fastenstudien dürfen wir etwas Entscheidendes nicht vergessen:

Unser Herz profitiert nicht von einer einzelnen Maßnahme.

Regelmäßige Bewegung, Kraft- und Ausdauertraining, eine überwiegend pflanzenbetonte Ernährung, ausreichend Schlaf, Nichtrauchen, ein guter Umgang mit Stress sowie die Behandlung von Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Diabetes bleiben entscheidend.

Fasten kann ein Baustein sein.

Nicht der ganze Baukasten.


Und wenn Du bereits Typ-2-Diabetes hast?

Dann gilt noch etwas anderes:

Bitte experimentiere nicht auf eigene Faust mit längeren Fastenphasen.

Vor allem bestimmte blutzuckersenkende Medikamente können während des Fastens das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen. Die aktuellen Diabetes-Leitlinien empfehlen deshalb bei entsprechend behandelten Menschen eine medizinische Begleitung und gegebenenfalls eine Anpassung der Medikation.

Das ist kein Argument gegen Fasten.

Es ist ein Argument für professionell begleitetes Fasten.


Mein Fazit für Dich

Mich begeistert an dieser Studie weniger die Vorstellung:

„Fasten macht das Herz gesund.“

Das wäre mir viel zu plakativ.

Spannender finde ich einen anderen Gedanken:

Fasten könnte unseren Stoffwechsel umfassender beeinflussen, als wir lange angenommen haben.

Blutzucker, Leber, Fettstoffwechsel und möglicherweise sogar bestimmte Eigenschaften des Herzmuskels scheinen miteinander verbunden zu sein.

Ob regelmäßige Fastenphasen tatsächlich langfristig Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern können, wissen wir heute noch nicht.

Aber genau deshalb werde ich diese Forschung weiter verfolgen.

Denn manchmal beginnt wissenschaftlicher Fortschritt nicht mit einer endgültigen Antwort.

Sondern mit einem Ergebnis, bei dem man denkt:

Oh. Das sollten wir uns genauer anschauen. 💚


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Quellen

FIT-Studie: Randomisierte kontrollierte 12-Monats-Studie zur Fasting-Mimicking Diet bei Typ-2-Diabetes. Die Intervention bestand aus fünf aufeinanderfolgenden FMD-Tagen pro Monat zusätzlich zur üblichen Versorgung.

Herzstoffwechsel: Fasting-mimicking diet in type 2 diabetes reduces myocardial triglyceride content: A 12-month randomised controlled trial. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases, 2025.

Leberstoffwechsel: van den Burg EL et al. A fasting-mimicking diet programme reduces liver fat and liver inflammation/fibrosis measured by magnetic resonance imaging in patients with type 2 diabetes. Clinical Nutrition, 2025.

Diabetes-Behandlung: Integration of a fasting-mimicking diet programme in primary care for type 2 diabetes reduces the need for medication and improves glycaemic control: a 12-month randomised controlled trial.

Aktuelle Einordnung zum Fasten bei Diabetes: American Diabetes Association, Standards of Care in Diabetes 2026 – Facilitating Positive Health Behaviors and Well-being to Improve Health Outcomes.